mehrwertfuergolf.ch hatte die Gelegenheit während einer Trainingsrunde mit Raphael de Sousa auf dem Golfplatz Sempach ein entspanntes Gespräch zu führen.

Raphael de Sousa ist nach seiner Vorbereitungszeit in Asien zurück und feiert sein Comback auf der European Challenge Tour, die vom 2.-5. Juni 2016 in Sempach stattfindet.

Wie waren deine Vorbereitungen für die Golfsaison in Europa?
Meine Vorbereitungen waren sehr gut. Ich fühle mich hervorragend und hatte einen guten Winter in Asien während rund 2.5 Monaten. Das Comeback aufgrund meines 3. Platzes auf der Asientour gab mir viel Selbstvertrauen. Ich trainierte gut und spielte mit meinen Trainingspartner einige Turniere. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Golfspiel und freue mich auf die Golfsaison.

Du hast deine Trainingspartner erwähnt. Spielst du immer mit denselben Golfern, wenn du trainierst?
Ich habe einige Partner, die mit mir in Genf spielen, wenn ich hier in der Schweiz bin. Es sind Single HCP Freunde, die nicht nur Golf spielen, sondern auch in einem Job arbeiten. Es ist eine soziale Komponente für mich, denn Golf auf diesem Level ist ein sehr individueller Sport. Es ist wichtig für mich Freunde um mich zu wissen und das zu tun, was ich liebe, eben Golf zu spielen. Es ist immer wieder eine Herausforderung, wenn ich mit Golfern spielen kann, die besser sind als ich, denn sie fordern mich heraus. Es ist mehr Wettbewerb. Solange ich auf dem Golfplatz sein kann, bin ich in meinen Rhythmus, was entscheidend für das Golfspiel ist.

Wie bist du organisiert und strukturiert?
Da Golf viel Zeit und Energie benötigt muss meine Struktur passen.
Ich bin immer noch im Aufbau meiner Organisation rund um mich und meinen Golfsport. Neben dem Management, das für mich Sponsoren akquiriert, bin ich auch im Aufbau des Betreuerteams und der Social Media Präsenz.
Die ganze Organisation muss professioneller werden. Ich habe das anfänglich nicht wirklich realisiert, wie wichtig das für mich und mein Golf ist. Es gab viel Interesse von aussen auf der gut organisierten und bekannten Asia Tour. Dies war alles sehr neu für mich und ich bin mir bewusst, dass ich mit den Menschen auch ausserhalb dem Golfplatz kommunizieren darf. Zudem bin ich überzeugt, dass ich mit einem professionellerem Umfeld mein maximales Potenzial als Golfer zukünftig besser abrufen kann.

Wie sieht ein Trainingstag für dich als Pro-Golfer aus?
Ich bin eine Person, die wirklich Struktur braucht. Dieses Spiel ist mein Leben und ich zähle die Trainingsstunden nicht. Ein normaler Trainingstag sieht so aus, dass ich morgens 1.5 – 2 Stunden im Fitness verbringe, gehe dann nach einem 30 Minuten Warm up auf den Golfplatz und spiele entweder 9 oder 18 Loch. Später arbeite ich mindestens 2 Stunden an meinem langen Schlägen. Dann gibts je nach dem Kurzspiel und Putten. Also wenn ich inklusive Fitnesszeit die Trainingstunden zusammenzähle, dann bin ich bei ca. 10 Stunden. Die Zeit verfliegt, denn ich liebe, was ich mache.

Nach welchem Rhythmus trainierst du?
Es kommt drauf an, wie ich mich fühle. Wenn ich 2 Wochen keine Turnier habe, dann trainiere ich 6 Tage pro Woche. 1 Tag gönne ich mir meine Entspannung. Wenn ich Turniere spiele und 1 Woche zwischen den Turnieren trainiere ist das eine andere Situation. In dieser Zeit muss ich meine Batterien wieder laden. Und entscheidend ist es für mich, wie ich mich fühle. Dann kann es sein, dass ich nur 3-4 Tage trainiere. Ich bevorzuge das qualitative vor dem quantitativem Training. Golfspielen ist eine Lebenserfahrung und es ist mein Job. Du lernst so viel über dich selber und dieses Spiel. Ich habe so viel Respekt vor diesem Spiel. Ich denke, dass ich immer sehr geduldig war und dies einer meiner starken Charakterzüge ist. Am ehesten bin ich manchmal mit mir selber nicht geduldig genug, um in meinem Rhytmus optimal zu arbeiten.

Der Golfsport kostet Geld. Wie sieht deine Situation mit den Sponsoren aus?
Ja, Golf ist ein sehr teurer Sport. Die Saison kostet viel. Es ist meistens sehr schwierig das Geld zusammenzukriegen, denn mit Reisekosten sowie dem Coaching sind die Kosten noch höher. Ich gehe dieses Jahr in meine 13. Pro-Golfsaison. Das einzige Jahr, in dem ich etwas verdiente, war das Challenge Tour Jahr, wo ich gute Resultate erzielte. Bis heute habe ich noch kein Geld mit Sponsoren verdient. Seit kurzem arbeite ich mit einem Manager zusammen, der mehr Professionalität in die Zusammenarbeit zwischen mir und den Sponsoren bringt. Somit kann ich mich mehr auf das Golfspiel konzentrieren. Obwohl wir eine sehr hohe Kaufkraft in der Schweiz haben, sind zum jetzigen Zeitpunkt nur zwei Sponsoren für diese Saison bestätigt. Ich schaue also immer noch für Sponsoren.

Wie sehen deine Ziele für die European Challenge Tour in Sempach aus?
Bei jedem Turnier will ich siegen. Ich werde meine Chance nutzen, denn ich hatte eine gute Vorbereitungszeit und bin bereit. Obwohl ich noch nicht so erfolgreich war, ist es mein Ziel auf internationalem Level Turniere zu gewinnen.
Mein Ziel hilft mir weiterhin bei meinem täglichen Training und gibt mir Zuversicht.
Ich freue mich sehr auf die European Challenge Tour vom 2. – 5. Juni 2016 in Sempach.

Vielen Dank, Raphael, für dieses sehr entspannte, offene und sympathische Gespräch. mehrwertfuergolf.ch wünscht dir alles Gute, schönes Spiel und viel Erfolg in Sempach!

Teil 2 des Interviews mit dem Schwerpunkt Mentale Arbeit im Golf später auf diesem Blog.