Was hat dich bewogen Golf PRO zu werden?

Als ich mit 14 Jahren mit dem Golfsport begonnen habe, wollte ich nur einen Ausgleich zum Tanzen. Denn meine Passion war das Ballett. Verletzungen konnte ich mir keine leisten, da das Ballett Leistungsorientiert betrieb und die Absicht hatte Tänzer zu werden. Nach einem sehr erfolgreichen Jahr (36 auf HCP 9) stellte sich die Frage ob ich nicht Golf intensivieren wolle. Da das Ballett und das Golfspiel für meine Eltern zu viel kostete musste ich mich für einen Weg entscheiden. Mein damaliger Pro Joe Görnert organisierte mir dann nach zwei Jahren Golfspiel 1986 eine Lehrstelle in Frankfurt. Beim Golf faszinierte mich immer die Geschichte des Spiels, die 20 ‚er und 30 ‚er Jahre des Aufbruchs mit Bobby Jones und Walther Hagen.

Du bist ein PRO der sich stetig weiterbildet. Hat sich die Methodik einen Golfer zu unterrichten in all deinen Jahren verändert? Wenn ja, wie?

Die Methodik hat sich sehr stark verändert. Früher hatte jeder Trainer so seinen Stil, den er seinen Schülern vermittelte. Anhand der Schwünge konnte man wirklich erkennen wer bei welchem Trainer war. Tips und Tricks waren so die wichtigsten Korrekturen im Unterricht. Heute hat sich durch den technischen Fortschritt (Video, Trackman, Sam PuttLAb, Rundenanalysen) und der Biomechanik viel verändert. Heute basiert der Golfunterricht auf den Erkenntnissen der Trainingswissenschaften. Die Kunst ist es dieses leicht verständlich zu machen.

Da gibt es ja die Hobbygolfer, die ambitionierten Golfer, die Wettkampf Golfer, die professionellen Golfspieler uvm. Wie nimmst du die verschiedenen Gruppierungen in deinem Berufsalltag war?

In meinem Concept3 unterscheide ich stark zwischen den verschiedenen Gruppierungen, da diese sehr unterschiedliche Unterrichtsansätze brauchen. Während der Anfänger lernen muss seinen Körper und Schläger im Raum richtig zu koordinieren, muss der Könner seine Bewegungsqualität und Schlagpräzision verbessern. Ich vergleiche es immer wie die Arbeit eines Uhrmachers. Es ist immer leichter eine Uhr zu bauen, wenn du alle Teile hast, als eine Uhr zu reparieren.

Ein ambitionierter Golfer sollte ja das ganze Jahr am Ball bleiben. Für wen macht ein Trainingsplan Sinn und wieso?

Eine gezielte Trainingsplanung macht für alle Spielklassen einen Sinn. Das ist wie im Fitnessstudio oder bei der Veränderung der Ernährung der Fall. Im Hochleistungssport ist eine gute Trainingsplanung in allen Bereichen ( Fitness, Golftechnik, Taktik/ Strategie, Turnierplanung, Ernährung) Pflicht. Ein ambitionierter Golfer sollte sich mit seinem Coach Ziele setzen und diese nach und nach abarbeiten. diese sollten realistisch und zeitlich abgestuft geplant sein.
Auf Club-Golf Ebene ist es kaum üblich, da 95 % aller Amateure (Durchschnitt Schweiz: HCP 26) das Golfspiel als Spiel spielen und nicht als Sport. Das sieht man schon auf der DR beim Aufwärmen und an den Bewegungsmustern. Viele meiden auch den Unterricht, weil es mit Arbeit und üben zu tun hat.

Welche Teilbereiche würdest du ausser der Technik einem ambitionierten Golfer auch noch empfehlen? ( z.B. Mental Training, Fitness Training…)

Damit ein ambitionierter Golfer seine sportlichen Ziele erreicht sollte er neben der Technik immer zuerst die Fitness verbessern. Dies bezieht Mobilität, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer mit ein. Durch die Verbesserung seines Bewegungsapparates kann er die Bewegungsaufgaben des Techniktrainer besser ansteuern und ausführen. Die bessere Kondition verbessert die Stabilität und Konstanz der Schläge und somit auch die Leistung auf dem Platz. Durch die Fitness wird das Trink- und Essverhalten verbessert, was zu einer Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit führt. Die Verbesserung von Körper und Technik führt zu einer guten Entwicklung des Selbstbewusstseins und auch zur mentalen Stärke. Wenn diese dann noch durch mental Training unterstützt wird, ist das eine gute Kombination.

Wenn du einen Wunsch frei hättest was würdest du dir für
dich und den Schweizer Golfsport wünschen?

Im Schweizer Golf arbeiten immer die gleichen Persönlichkeiten an den Schlüsselpositionen und vermitteln sich gegenseitig die Jobs ohne dass was Grundlegendes passiert. Der Amateurspitzensport wird nach wie vor sehr amateurhaft geführt. Guten Managern oder Pro’s wird selten die Möglichkeit gegeben sich zu behaupten. Es wäre Zeit etwas Mut zu haben und sich von den alten Mustern zu lösen.